Eine Wohnung zu finden gehört für viele Auswanderer zu den größten Hürden beim Start in Schweden. Vor allem in Stockholm, Göteborg, Malmö und Uppsala ist der Mietmarkt eng, und das System funktioniert ganz anders, als du es aus Deutschland kennst.
In diesem Beitrag zeigen wir dir, welche Vertragsarten es gibt, wo du suchen kannst, wie du dich vor Betrug schützt und welche Regeln für Miete und Kaution gelten.
Förstahand vs. Andrahand: die zwei Welten des Mietmarkts
Das Wichtigste vorweg: In Schweden unterscheidet man streng zwischen zwei Vertragsarten.
- Förstahandskontrakt – der „Erstvertrag“ direkt mit dem Eigentümer bzw. der Wohnungsgesellschaft. Er ist in der Regel unbefristet und bietet starken Kündigungsschutz (besittningsskydd). Das ist der Vertrag, den jeder haben möchte.
- Andrahandskontrakt – eine Untermiete. Du mietest von jemandem, der selbst Mieter oder Eigentümer ist. Solche Verträge sind meist befristet und bieten deutlich weniger Sicherheit.
Gerade in den ersten Monaten landen die meisten Zuzügler bei einem Andrahandskontrakt. Das ist völlig normal – wichtig ist nur, dass du die Regeln kennst.
Die Bostadskö: Warteschlange für Mietwohnungen
Förstahandskontrakte für Mietwohnungen (hyresrätter) werden in vielen Städten über eine Bostadskö vergeben – eine Warteschlange, in der vor allem die Wartezeit zählt. Die Kommunen oder kommunalen Wohnungsgesellschaften betreiben diese Schlangen, zusätzlich haben viele private Vermieter eigene Warteschlangen.
- In Stockholm läuft das über die Bostadsförmedlingen i Stockholm. Die Anmeldung kostet dort 200 Kronen pro Jahr (Stand 2026).
- In Großstädten sind Wartezeiten von vielen Jahren normal, in kleineren Orten bekommst du oft deutlich schneller eine Wohnung.
- Viele private Vermieter vergeben Wohnungen über eigene Listen oder Portale wie HomeQ – hier lohnt es sich, sich parallel bei mehreren anzumelden.
Unser Tipp: Melde dich so früh wie möglich in der Bostadskö deiner Zielregion an – gern schon vor dem Umzug, wenn das möglich ist. Jeder Tag in der Schlange zählt.
Untermiete: Andrahand und Privatvermietung
Bei der Untermiete gibt es zwei Fälle, für die unterschiedliche Regeln gelten.
Untermiete einer Mietwohnung (hyresrätt)
Der Hauptmieter braucht die schriftliche Genehmigung des Vermieters oder der Hyresnämnden (Mietschlichtungsstelle). Laut Hyresgästföreningen gilt:
- Bei einer unmöblierten Wohnung darfst du nicht mehr zahlen als der Hauptmieter selbst.
- Bei einer komplett möblierten Wohnung ist ein Aufschlag von bis zu ca. 15 % üblich, dazu kommen tatsächliche Kosten für Strom, Wasser oder Internet.
- Hast du zu viel Miete gezahlt, kannst du dich bis spätestens drei Monate nach dem Auszug an die Hyresnämnden wenden und Geld zurückfordern.
Wohnung von Privatpersonen (Bostadsrätt, Haus)
Mietest du eine Eigentumswohnung (bostadsrätt) oder ein Haus von einer Privatperson, gilt die privatuthyrningslagen. Seit dem 1. Juli 2026 gibt es hier neue Regeln: Die Miete wird grundsätzlich frei vereinbart. Ist sie aber wesentlich höher als bei vergleichbaren Privatvermietungen üblich, kann die Hyresnämnden sie senken – allerdings nur für die Zeit ab deinem Antrag, nicht rückwirkend. Einen Überblick gibt Sveriges Domstolar.
Wichtig: Bei Privatvermietung hast du keinen Kündigungsschutz. Für die Untervermietung einer Bostadsrätt braucht der Eigentümer außerdem die Zustimmung seiner Wohnungsgenossenschaft (bostadsrättsförening). Frag ruhig nach, ob sie vorliegt.
Wo suchen? Die wichtigsten Portale
- Qasa – die größte Plattform für Untermiete und Privatvermietung mit digitalen Verträgen und Zahlungsabwicklung. Die frühere Wohnungsrubrik „Blocket Bostad“ wurde Ende 2025 eingestellt und in Qasa überführt.
- HomeQ – Förstahand-Wohnungen vieler privater Vermieter.
- Bostadsförmedlingen und kommunale Wohnungsgesellschaften deiner Stadt.
- Samtrygg und Bostadsportal – weitere Portale für Mietwohnungen.
- Hemnet und Booli – vor allem für den Kauf von Wohnungen und Häusern.
- Facebook-Gruppen – viele Angebote, aber auch viele Betrüger (siehe unten).
Unser Tipp: Schreib ein kurzes, freundliches Profil über dich und deine Familie: Wer du bist, mit wem du einziehst, warum du nach Schweden ziehst, dein Job und dein Wunsch-Einzugsdatum. Vermieter bekommen oft Hunderte Anfragen – ein gutes Profil macht den Unterschied.
Miete, Bruksvärde und Kaution
Die Mieten für Förstahand-Mietwohnungen sind in Schweden reguliert. Sie folgen dem bruksvärdessystem (Gebrauchswertsystem): Die Miete muss sich an vergleichbaren Wohnungen orientieren und wird in der Regel jährlich zwischen Vermietern und der Mieterorganisation Hyresgästföreningen verhandelt. Bei Neubauten gibt es oft eine sogenannte presumtionshyra, die höher liegen darf.
Zur Kaution (deposition):
- Einen gesetzlichen Höchstbetrag gibt es nicht, Hyresgästföreningen empfiehlt aber, nicht mehr als ein paar Monatsmieten zu zahlen.
- Die Kaution sollte immer im Vertrag stehen.
- Zahl niemals „Schwarzgeld“ oder Vermittlungsgebühren für einen Mietvertrag – das Kaufen von Mietverträgen ist in Schweden strafbar.
Förstahand-Vermieter prüfen häufig dein Einkommen (oft ein Vielfaches der Monatsmiete) und deine Bonität. Ohne personnummer und schwedische Einkommensnachweise ist das anfangs schwierig – ein weiterer Grund, warum der Einstieg oft über Andrahand läuft.
Betrugsmaschen erkennen
Wohnungsbetrug ist in Schweden leider weit verbreitet. Die Polisen warnt regelmäßig vor diesen typischen Mustern:
- Der „Vermieter“ lebt angeblich im Ausland und kann die Wohnung nicht zeigen.
- Du sollst Kaution und erste Miete vorab überweisen, der Schlüssel kommt „per Post“.
- Die Fotos stammen aus echten Verkaufsanzeigen, zum Beispiel von Hemnet.
- Die Miete ist für die Lage auffällig günstig und es wird Zeitdruck gemacht.
So schützt du dich:
- Zahl niemals etwas, bevor du die Wohnung gesehen hast – persönlich oder per Live-Videocall.
- Prüfe Name und Telefonnummer des Vermieters selbst, zum Beispiel über öffentliche Verzeichnisse.
- Frag bei der Wohnungsgesellschaft oder der Bostadsrättsförening nach, ob die Untervermietung genehmigt ist.
- Nutze Plattformen mit geschützter Zahlungsabwicklung.
- Schließe immer einen schriftlichen Vertrag ab und dokumentiere den Zustand der Wohnung mit Fotos.
Checkliste für deine Wohnungssuche
- In der Bostadskö deiner Zielstadt anmelden
- Profil auf Qasa und weiteren Portalen anlegen
- Unterlagen bereithalten: Pass, Arbeitsvertrag, Einkommensnachweise, ggf. Referenzen früherer Vermieter
- Bei Andrahand: Genehmigung des Vermieters bzw. der Förening klären
- Schriftlicher Vertrag mit Mietdauer, Miete, Kaution und Kündigungsfrist
- Übergabeprotokoll mit Fotos erstellen
Unser Fazit
Die Wohnungssuche in Schweden braucht Geduld und ein bisschen Strategie. Rechne damit, zunächst mit einem Andrahandskontrakt zu starten, melde dich früh in den Warteschlangen an und bleib bei verdächtigen Angeboten skeptisch. Wenn du die Regeln zu Miete und Kaution kennst, bist du gut geschützt. Bei Streitfragen helfen die Hyresnämnden und die Hyresgästföreningen weiter.
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