Wer nach Schweden zieht, stellt schnell fest: Das Versicherungssystem funktioniert etwas anders als in Deutschland. Vieles, was du in Deutschland einzeln abschließt, steckt in Schweden in einem einzigen Paket – der Hemförsäkring. Dafür gibt es andere Begriffe, andere Bausteine und ein paar Besonderheiten, die man kennen sollte.
In diesem Beitrag bekommst du einen Überblick über die wichtigsten Versicherungen, eine Checkliste für den Start und Tipps, wie du deine deutschen Verträge sauber beendest.
Hemförsäkring – die wichtigste Versicherung überhaupt
Die Hemförsäkring (Hausratversicherung) ist in Schweden nicht gesetzlich vorgeschrieben, aber praktisch jeder hat eine. Viele Vermieter setzen sie voraus, und sie deckt deutlich mehr ab als eine deutsche Hausratversicherung. Eine typische Hemförsäkring besteht aus mehreren Bausteinen:
- Egendomsskydd – Schutz für deinen Hausrat, z. B. bei Einbruch, Brand oder Wasserschaden.
- Ansvarsskydd – die Haftpflicht: Wenn du anderen einen Schaden zufügst und schadensersatzpflichtig bist.
- Rättsskydd – eine Art Rechtsschutz für bestimmte Streitigkeiten (mit Selbstbeteiligung und Einschränkungen).
- Överfallsskydd – Entschädigung, wenn du Opfer eines Überfalls oder einer Gewalttat wirst.
- Reseskydd – ein Reiseschutz für Urlaubsreisen, mehr dazu gleich.
Wichtig: In Deutschland schließt du Haftpflicht und Hausrat meist getrennt ab. In Schweden ist die Haftpflicht normalerweise Teil der Hemförsäkring. Eine separate Privathaftpflicht brauchst du in der Regel nicht.
Reseskydd – der eingebaute Reiseschutz
Fast jede Hemförsäkring enthält einen Reiseschutz. Er zahlt z. B. akute Arzt- und Zahnarztkosten im Ausland oder einen notwendigen Rücktransport nach Schweden. Laut der Verbraucherberatung Konsumenternas gilt dieser Schutz normalerweise für die ersten 45 Tage einer Reise. Bist du länger unterwegs, brauchst du eine separate Reiseversicherung. Eine Reiserücktrittsversicherung (avbeställningsskydd) ist im Grundschutz oft nicht enthalten.
Drulle – die Allrisk-Ergänzung
Das Wort Drulle wirst du oft hören. Gemeint ist die Allriskförsäkring – eine Zusatzversicherung für plötzliche, unvorhergesehene Missgeschicke: Das Handy fällt auf den Boden, der Laptop bekommt Kaffee ab, die Brille zerbricht. Solche Schäden sind im Grundschutz meist nicht abgedeckt. Die Allrisk-Ergänzung erweitert häufig auch den Reiseschutz, z. B. um eine Rücktrittsversicherung.
Unser Tipp: Gerade mit Kindern und vielen Elektrogeräten lohnt sich der Drulle-Zusatz oft. Achte aber auf die självrisk (Selbstbeteiligung) und auf Höchstgrenzen für einzelne Gegenstände.
Villaförsäkring und Bostadsrätt – wenn du Eigentum hast
Je nachdem, wie du wohnst, brauchst du eine andere Variante:
- Hyresrätt (Mietwohnung): Eine normale Hemförsäkring reicht. Das Gebäude selbst versichert der Vermieter.
- Bostadsrätt (Genossenschaftswohnung): Zusätzlich zur Hemförsäkring brauchst du meist ein Bostadsrättstillägg. Es deckt Schäden an Dingen, für die du als Wohnungsinhaber selbst verantwortlich bist – etwa Küche, Bad oder Böden. Prüfe, ob deine Genossenschaft (bostadsrättsförening) bereits eine Kollektivversicherung dafür hat.
- Villa oder Ferienhaus: Hier brauchst du eine Villaförsäkring (oft als „Villahemförsäkring“ kombiniert). Sie deckt das Gebäude und den Hausrat. Für ein fritidshus (Ferienhaus) gibt es eine eigene Fritidshusförsäkring.
Wenn du ein Haus mit Kredit kaufst, verlangt die Bank in der Regel eine Gebäudeversicherung. Kümmere dich also schon vor der Schlüsselübergabe darum.
Typische Stolperfallen bei Häusern sind Wasserschäden, Frost an Leitungen und Schäden durch Ungeziefer. Viele Versicherer bieten dafür Zusätze wie ein Tilläggsskydd für versteckte Mängel (dolda fel) beim Hauskauf an – ein Blick in die Bedingungen lohnt sich.
Bilförsäkring – trafik, halv oder hel?
Für jedes in Schweden zugelassene Auto ist die Trafikförsäkring Pflicht – ausgenommen nur Fahrzeuge, die abgemeldet sind (avställd). Darüber hinaus gibt es drei Stufen:
- Trafikförsäkring – die Pflichtversicherung. Sie zahlt Personenschäden (auch für dich und deine Mitfahrer) und Schäden, die du mit dem Auto an fremdem Eigentum verursachst. Dein eigenes Auto ist nicht versichert.
- Halvförsäkring – enthält die Trafikförsäkring plus Schutz bei Diebstahl, Brand, Glasschäden, Pannenhilfe/Abschleppen (räddning), Maschinenschäden und Rechtsschutz – vergleichbar mit einer deutschen Teilkasko.
- Helförsäkring – die Halvförsäkring plus Vagnskadeförsäkring. Sie zahlt auch Schäden an deinem eigenen Auto, z. B. nach einem selbst verschuldeten Unfall oder Vandalismus – ähnlich einer Vollkasko.
Laut Konsumenternas haben viele Neuwagen in den ersten Jahren eine Garantie gegen Wagenschäden (vagnskadegaranti). Dann reicht oft eine Halvförsäkring. Für ältere Autos mit geringem Wert kann sich die Helförsäkring ebenfalls kaum lohnen.
Wenn du dein Auto aus Deutschland mitbringst: Mit deutscher Zulassung bleibt zunächst deine deutsche Versicherung zuständig. Sobald du das Auto in Schweden zulässt, brauchst du eine schwedische Versicherung. Frag deinen deutschen Versicherer nach einer Schadenfreiheitsbescheinigung – manche schwedischen Versicherer rechnen deine schadenfreien Jahre an.
Olycksfall- und Barnförsäkring
Medizinische Versorgung nach einem Unfall übernimmt in Schweden grundsätzlich das öffentliche Gesundheitssystem der Region. Eine private Olycksfallsförsäkring (Unfallversicherung) zahlt zusätzlich eine Entschädigung, etwa bei bleibender Invalidität, für Zahnschäden oder Behandlungskosten.
Für Kinder ist die Barnförsäkring sehr verbreitet. Sie deckt nicht nur Unfälle, sondern meist auch schwere Krankheiten – und genau das macht sie wertvoll. Viele Kommunen haben zwar eine Unfallversicherung für Schüler, die gilt aber oft nur während der Schul- oder Kitazeit.
- Schließe die Barnförsäkring möglichst früh ab – später kann eine Gesundheitsprüfung Leistungen ausschließen.
- Vergleiche die Versicherungssumme und ob die Versicherung auch nach dem 18. Geburtstag weiterläuft.
- Frag bei der Kommune nach, welche Unfallversicherung für Schule und Kita bereits besteht.
Einkommensversicherung – A-kassa und Inkomstförsäkring
Bei Arbeitslosigkeit ist in Schweden die A-kassa (Arbeitslosenkasse) zuständig. Die Mitgliedschaft ist freiwillig – ohne sie bekommst du nur eine niedrigere Grundabsicherung. Die A-kassa zahlt einen Teil deines bisherigen Einkommens, allerdings nur bis zu einer Obergrenze. Seit der Reform im Oktober 2025 hängt die Höhe außerdem davon ab, wie lange du schon Mitglied bist – die volle Leistung gibt es erst nach 12 Monaten ununterbrochener Mitgliedschaft. Tritt also am besten gleich nach dem Jobstart bei.
Deshalb gibt es die Inkomstförsäkring: eine Einkommensversicherung, die die Lücke oberhalb dieser Grenze schließt. Sie ist bei vielen Gewerkschaften (fackförbund) automatisch im Mitgliedsbeitrag enthalten. Voraussetzung ist fast immer, dass du auch Mitglied einer A-kassa bist.
Arbeitest du bei einem Arbeitgeber mit Kollektivavtal (Tarifvertrag), bist du außerdem oft über kollektive Versicherungen abgesichert – z. B. bei Arbeitsunfällen oder mit einer Risiko-Lebensversicherung. Frag in der Personalabteilung nach, was bereits enthalten ist, bevor du privat doppelt abschließt.
Welche deutschen Versicherungen du kündigen kannst
Mit dem Umzug nach Schweden werden viele deutsche Verträge überflüssig. Hier ein grober Überblick – die genauen Regeln stehen immer in deinen Vertragsbedingungen:
- Hausratversicherung: Bei einem dauerhaften Umzug ins Ausland endet sie in der Regel bzw. du hast ein Sonderkündigungsrecht. Melde den Umzug frühzeitig.
- Privathaftpflicht: Wird durch die Haftpflicht in der schwedischen Hemförsäkring ersetzt. Kündige erst, wenn der schwedische Schutz steht.
- Kfz-Versicherung: Endet mit der Abmeldung des Autos in Deutschland.
- Rechtsschutz: Gilt meist nur eingeschränkt im Ausland – prüfen und ggf. kündigen.
- Krankenversicherung: Ein eigenes Thema. Kläre mit deiner Krankenkasse, ab wann und wie die Mitgliedschaft endet.
Nicht vorschnell kündigen solltest du langfristige Verträge wie Berufsunfähigkeits-, Lebens- oder private Rentenversicherungen. Viele gelten weltweit weiter, und ein Neuabschluss später ist oft teurer. Lass dich hier im Zweifel unabhängig beraten.
Vergleichen und abschließen
Versicherungen kannst du in Schweden fast immer online abschließen – meist brauchst du dafür eine Personnummer und oft auch BankID. So gehst du vor:
- Verschaff dir auf Konsumenternas.se einen neutralen Überblick. Hinter der Seite stehen u. a. Konsumentverket, die Finanzaufsicht Finansinspektionen und der Versicherungsverband – sie bietet Vergleiche und Erklärungen ohne Verkaufsinteresse.
- Hol dir Preise über Vergleichsportale wie Compricer oder Insplanet oder direkt bei großen Anbietern wie Folksam, If, Länsförsäkringar oder Trygg-Hansa.
- Achte nicht nur auf den Preis: Vergleiche självrisk, Höchstbeträge und was im Grundschutz enthalten ist.
- Frag nach Bündelrabatten, wenn du Hem-, Auto- und Kinderversicherung beim gleichen Anbieter abschließt.
Auch Gewerkschaften und manche Arbeitgeber bieten vergünstigte Gruppenversicherungen an – ein Blick lohnt sich.
Unser Fazit
Für den Start in Schweden brauchst du vor allem eine Hemförsäkring (oder Villaförsäkring), bei einem Auto die Trafikförsäkring und für Kinder am besten früh eine Barnförsäkring. Überlege dir den Drulle-Zusatz und eine A-kassa samt Inkomstförsäkring, sobald du arbeitest. Kündige deutsche Verträge erst, wenn der schwedische Schutz aktiv ist – und behalte langfristige Absicherungen im Blick. So bist du gut geschützt, ohne doppelt zu zahlen.
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