Schweden ist bekannt für seine großzügigen Familienleistungen – allen voran das lange Elterngeld und die bezahlten Tage, wenn das Kind krank ist. Zuständig für fast alles ist die Försäkringskassan – die schwedische Sozialversicherungskasse.
In diesem Beitrag erklären wir dir die wichtigsten Leistungen für Familien, was sie 2026 wert sind und worauf du als Neu-Schwede achten musst.
Barnbidrag – das schwedische Kindergeld
Das barnbidrag ist das Gegenstück zum deutschen Kindergeld:
- Es beträgt 1 250 kr pro Kind und Monat.
- Gezahlt wird bis zum 16. Geburtstag. Danach gibt es für Schüler das studiebidrag (Studienbeihilfe) oder das förlängt barnbidrag, wenn das Kind noch die grundskola besucht.
- Das Geld kommt jeden Monat um den 20. herum aufs Konto.
- Bei zwei Sorgeberechtigten wird das barnbidrag normalerweise zu gleichen Teilen auf beide aufgeteilt.
Flerbarnstillägg – Mehrkinderzuschlag
Ab dem zweiten Kind gibt es zusätzlich den flerbarnstillägg. Zusammen mit dem barnbidrag erhält eine Familie pro Monat (Stand 2026):
- 2 Kinder: 2 500 kr + 150 kr Zuschlag = 2 650 kr
- 3 Kinder: 3 750 kr + 730 kr = 4 480 kr
- 4 Kinder: 5 000 kr + 1 740 kr = 6 740 kr
- 5 Kinder: 6 250 kr + 2 990 kr = 9 240 kr
Ab dem fünften Kind steigt der Zuschlag um weitere 1 250 kr pro Kind.
Föräldrapenning – das schwedische Elterngeld
Die föräldrapenning ist das Herzstück der schwedischen Familienpolitik. Pro Kind haben die Eltern zusammen 480 Tage (bei Zwillingen 660 Tage):
- 390 Tage auf sjukpenningnivå: knapp 80 % deines Einkommens, 2026 zwischen 250 und höchstens 1 259 kr pro Tag.
- 90 Tage auf lägstanivå: ein fester Betrag von 180 kr pro Tag.
Aufteilung und Übertragung
- Bei zwei Sorgeberechtigten bekommt jeder die Hälfte der Tage.
- 90 Tage pro Elternteil sind reserviert und können nicht übertragen werden – oft „Papamonate“ genannt.
- Die übrigen Tage kannst du dem anderen Elternteil übertragen (överlåta), zum Beispiel über „Mina sidor“ bei der Försäkringskassan.
- Du kannst die Tage flexibel nehmen – ganze Tage, halbe, Viertel- oder Achteltage.
- Die Tage müssen genutzt werden, bevor das Kind 12 Jahre alt wird bzw. die 5. Klasse abgeschlossen hat. Nach dem 4. Geburtstag dürfen aber insgesamt nur noch 96 Tage übrig sein.
Wichtig für Zugezogene: Damit du für die ersten 180 Tage Geld auf sjukpenningnivå bekommst, musst du vor der Geburt mindestens 240 Tage in Folge mit einem Einkommen über einem Mindestbetrag versichert gewesen sein. Sonst gibt es für diese Tage den Grundbetrag von 250 kr. Versicherungszeiten aus einem anderen EU-Land können unter Umständen berücksichtigt werden – frag bei der Försäkringskassan nach.
Unser Tipp: Stell den Antrag rechtzeitig – er muss spätestens 90 Tage nach dem ersten Elternzeittag bei der Försäkringskassan sein. Und sprich deine Elternzeit frühzeitig mit dem Arbeitgeber ab.
VAB – wenn das Kind krank ist
VAB steht für vård av barn, offiziell tillfällig föräldrapenning. Du bekommst Geld, wenn du zu Hause bleibst, weil dein Kind krank ist – in Schweden eine absolut normale Sache, die jeder Arbeitgeber kennt.
- Bis zu 120 Tage pro Kind und Jahr.
- Gilt in der Regel für Kinder unter 12 Jahren.
- Du bekommst knapp 80 % deines Einkommens, bis zu einer Obergrenze (Einkommen über 7,5 Preisbasisbeträgen wird nicht berücksichtigt).
- Ist das Kind länger als 7 Tage krank, brauchst du ab dem 8. Tag eine Bescheinigung von einem Arzt oder einer Krankenschwester.
- Neu seit 2026: Der Antrag muss spätestens 30 Tage nach dem ersten VAB-Tag bei der Försäkringskassan sein.
So geht's: Melde deinem Arbeitgeber, dass du VAB nimmst. Danach beantragst du die Leistung über die App oder „Mina sidor“ der Försäkringskassan mit BankID.
Bostadsbidrag – Wohngeld für Familien
Familien mit niedrigem Einkommen können bostadsbidrag (Wohngeld) beantragen. Voraussetzungen:
- Du hast Kinder, die bei dir wohnen (auch zeitweise, mindestens 30 Tage im Jahr).
- Du bist an der Wohnadresse in Schweden folkbokförd.
- Dein Einkommen ist niedrig.
Die Höhe hängt von Einkommen, Wohnkosten und Anzahl der Kinder ab. Die berücksichtigten Wohnkosten sind begrenzt: auf 6 800 kr pro Monat bei einem Kind, 7 900 kr bei zwei und 8 600 kr bei drei oder mehr Kindern. Maximal gibt es 4 200 kr (1 Kind), 5 200 kr (2 Kinder) bzw. 6 200 kr (3 oder mehr Kinder) pro Monat.
Achtung: Das bostadsbidrag wird vorläufig auf Basis deines geschätzten Einkommens gezahlt. Im Folgejahr wird mit dem tatsächlichen Einkommen abgerechnet – war es höher, musst du zurückzahlen. Schätze dein Einkommen deshalb lieber realistisch. Ab 2027 soll das Einkommen monatlich geprüft werden.
Anspruch für Zugezogene: So kommst du ins System
Die meisten Familienleistungen setzen voraus, dass du in Schweden versichert bist. Das hängt vor allem davon ab, ob du hier wohnst oder arbeitest.
- Folkbokföring: Wenn du mindestens ein Jahr bleiben willst, meldest du dich bei Skatteverket an und bekommst eine Personnummer.
- Försäkringskassan informieren: Das barnbidrag kommt beim Zuzug nicht automatisch. Du musst der Försäkringskassan deinen Umzug mitteilen und Angaben zu deinen Kindern unter 16 machen – über die E-Service oder das Formular 5456.
- Wohnsitzprüfung: Die Försäkringskassan prüft anhand deiner Unterlagen (z. B. Arbeitsvertrag, Mietvertrag), ob du und deine Kinder in Schweden versichert seid. Das kann einige Zeit dauern.
- Nachweis aus dem Herkunftsland: Als EU-Bürger musst du belegen, dass du im bisherigen Land nicht mehr versichert bist. Innerhalb der EU kann man nicht gleichzeitig in zwei Ländern versichert sein.
Unser Tipp: Reiche die Unterlagen direkt nach der Folkbokföring ein – je früher, desto schneller fließt das Geld. Bei Fragen erreichst du die Försäkringskassan telefonisch unter 0771-524 524.
EU-Koordination: Was passiert mit dem deutschen Kindergeld?
Wenn Familienmitglieder in verschiedenen EU-Ländern leben oder arbeiten, regelt die EU, welches Land zuerst zahlt. Die Grundregel laut Försäkringskassan:
- Entscheidend ist, wo die Eltern arbeiten – nicht die Staatsangehörigkeit.
- Arbeitet nur ein Elternteil, zahlt vorrangig das Land, in dem er oder sie arbeitet – egal, wo das Kind lebt.
- Arbeiten die Eltern in verschiedenen Ländern, zahlt vorrangig das Land, in dem das Kind wohnt.
Das deutsche Kindergeld beträgt 2026 259 Euro pro Kind und Monat – deutlich mehr als das barnbidrag. Ist Deutschland nachrangig zuständig (z. B. weil ein Elternteil weiter in Deutschland arbeitet), kann die Familienkasse unter Umständen einen Unterschiedsbetrag zahlen. Zieht die ganze Familie nach Schweden und arbeitet nur hier, endet der Kindergeldanspruch in Deutschland in der Regel.
Wichtig: Melde deinen Umzug unbedingt der Familienkasse in Deutschland, um Rückforderungen zu vermeiden. Details findest du im Familienportal des Bundes. Die Abstimmung zwischen den Ländern übernehmen Försäkringskassan und Familienkasse – das kann dauern, bleib also geduldig.
Checkliste für Familien
- Folkbokföring und Personnummer für alle Familienmitglieder
- BankID einrichten und bei „Mina sidor“ der Försäkringskassan einloggen
- Umzug und Kinder bei der Försäkringskassan melden (barnbidrag)
- Nachweis über das Ende der Versicherung im Herkunftsland besorgen
- Familienkasse in Deutschland über den Umzug informieren
- Elternzeit planen und Tage aufteilen
- VAB-Regeln kennen: Antrag innerhalb von 30 Tagen
- Anspruch auf bostadsbidrag prüfen
Unser Fazit
Die Försäkringskassan bietet Familien ein starkes Sicherheitsnetz: barnbidrag und flerbarnstillägg jeden Monat, 480 Tage föräldrapenning, bis zu 120 VAB-Tage pro Kind und Jahr und bei Bedarf bostadsbidrag. Als Zugezogener musst du aber selbst aktiv werden: Umzug melden, Versicherung nachweisen und die Familienkasse in Deutschland informieren. Die Regeln sind komplex – bei Unklarheiten frag direkt bei der Försäkringskassan nach.
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